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Donnerstag, 18. Juli 2013

Will ICH oder will ich nicht?

Eigentlich ist es doch einfach. Lerne ich einen Mann kennen, sollte ich doch schlicht in der Lage sein zu sehen, ob der mir gefällt, zu mir passen könnte oder ob da größere Hindernisse und Differenzen im Weg stehen. Und dann entscheiden, ob ich mich darauf einlasse, ihn näher kennenzulernen oder ob ich lieber meine Zeit mit etwas Sinnvollerem verbringe. Leider kommt mir dabei immer was dazwischen. Denn natürlich will ich gerne, dass ich dem Kerl gefalle. Und während ich noch versuche, herauszufinden ob er mich toll findet, sitze ich schon in der Denkfalle. Ich denke dann, wenn ich nur ein bisschen toller, toleranter, cooler oder erwachsener wäre, dann würde ich den Mann schon richtig gut finden können. Immerhin redet er mit mir.

Keine Ahnung, ob es an mir, der Stadt oder den Männern liegt, aber ich werde nicht angesprochen. Zumindest nicht in Bars und Kneipen. Auch nicht auf der Straße oder beim Einkaufen. Maximal in Clubs und Absturzkneipen, wenn die Jungs so blau sind, dass sie sich alles trauen. Deswegen bin ich schon mal grundsätzlich dankbar, wenn es dann doch mal eine Gelegenheit gibt, bei der mir so ein Mann nicht entkommen kann und man miteinander reden muss. Zum Beispiel wenn man sich mit Freunden trifft, die neue Leute mitbringen. Und ich habe kein generelles Kommunikationsproblem. Ich rede täglich mit sehr vielen Menschen und auch wenn in mir drin noch ein schüchternes kleines Mädchen steckt, haben mich der Job am Set und im Verkauf trainiert, immer und zu jeder Zeit kommunizieren zu können.

Aber wenn dann einer nach meiner Telefonnummer fragt, hoppla, tun sie eh nicht, ich geb sie ihnen, dann werde ich irrational. Schalte meine Sicht der Dinge ab und fange an, die Sache aus seiner Sicht sehen zu wollen. Finde Erklärungen, Entschuldigungen, fange an, an mir rumzubasteln und verliere mein Bauchgefühl. Und die Fähigkeit, klar auszudrücken, wenn mir etwas nicht gefällt. Damit meine ich nicht, dass ich mich nicht über vergessene Anrufe nicht beschweren würde. Aber ich wage es nicht mehr, Sachen zu bemerken, die mich an ihm stören. Eine unaufgeräumte Wohnung etwa, die auf ein sehr unaufgeräumtes Leben hinweist. Übermäßigen Alkoholkonsum. Denn er trinkt ja nicht jeden Tag, er hat ja kein Problem damit. Also wieso sollte ich damit eines haben? All das habe ich Mr.Bickle immer per Mail HINTERHER um die Ohren gehauen, anstatt den Konflikt zu riskieren und ihn dann zu konfrontieren, wenn es Sinn gemacht hätte. Nachtreten ist albern. Auch jetzt könnte ich ihm wieder ganz viel sagen, was ich nicht fähig war, ihm während unserer gemeinsamen Monate zu sagen. Aber wozu? Ich war ihm gegenüber unehrlich. Das muss ich einfach so stehenlassen.

Und nicht nur bei ihm. Mein Wiener war zwar der perfekte Gentleman, aber emotional kam ich zu kurz. Abgesehen davon, dass ich es gar nicht hätte benennen können, auch ihn fand ich so viel toller als mich selbst- da kann ich doch nicht mit so was ankommen. Oder etwa doch? Wann ich angefangen habe zu glauben, dass ich außer Sex nicht viel zu bieten hätte, kann ich nicht sagen. Aber spätestens seit ich mich einmal verknallt hatte und erlaubt habe, dass das Ganze doch nur eine Affäre wurde, und ich das Spielzeug eines Mannes, war das Muster drin. Der Sex war toll, der Mann besonders. Und ich fand es aufregend, war ich doch vorher immer der Meinung gewesen, dass Sex und Liebe untrennbar zusammengehören. Schäfchen das ich war. Spät angefangen und keinen Plan von Männern. Dazu ewig gemobbt und immer irgendwie anders. Das nicht als Vorteil gesehen, sondern mich geschämt, wenn andere mich als anstrengend empfunden haben. Und das war und ist teilweise bis heute so. Bisschen Klugscheißerin, bisschen zu intelligent vielleicht, zu schnell, zu direkt, zu ungeduldig. Kann mich schlecht entspannen, das Hirn nur beim Sex ausschalten, mag sein, dass manche Leute ein Problem damit haben.

Also interpretiere ich das so, dass ich nicht so einfach bin, dass es nicht selbstverständlich ist, gemocht zu werden und dass die anderen alle was besser machen als ich, ergo besser sind, ergo muss ich DIE mögen lernen, weil ich ja falsch bin. Und der Sex. Das kann ich. Das kann ich offensichtlich sogar besser (…) als die meisten anderen Frauen. Sagen zumindest die Kerle und kommen auch nach Jahren immer wieder an, um nochmal... Dabei bin ich noch nicht mal die, die man sofort in den Hintern und so. Ich gebe aber offensichtlich den Männern das Gefühl, gute Liebhaber zu sein, weil ich ziemlich leicht erregbar bin und auch beim größten Stümper komme. Dafür kann der allerdings nix, muss er aber nicht unbedingt wissen. Und ich hatte meist großartige Liebhaber! Soviel Gerechtigkeit muss sein! Ich genieße einfach generell, angefasst zu werden und gebe mich schamlos hin. Und ich blase ganz gut. Sagen die Jungs. Das reicht, um sie im Bett an mich zu binden. Und darauf habe ich mich immer verlassen. Der Rest blieb hinten. Also, eine richtige Auseinandersetzung mit dem Thema Beziehung, was brauche ich außer meinen regelmäßigen Ficks und wie kommuniziere ich es, wenn ich mehr will? Denn da war immer die Angst, dass ich zu viel fordere und der Mann dann weg ist. Dass der Wiener genau daran verzweifelt ist, dass da nichts von mir kam, und sich dann eine Partnerin gesucht hat, die ihm auch mal die Meinung sagt, war klar. Denn in der Situation damals war ich Mr.Bickle. Depressiv, im Chaos meines Lebens gefangen und nicht fähig, mehr zu geben als den Sex. Dass das zu wenig ist auf Dauer, weiß ich jetzt.

Ein richtiger Mann schätzt es, wenn er eine Frau an seiner Seite hat, die ihr Ding durchzieht und auch ihm gegenüber ehrlich und konkret ist. Dabei dachte ich schon, dass mein ureigenes Autonomiebedürfnis mich davor retten würde, mich für einen Mann total aufzugeben. Hat aber nur dazu geführt, dass ich weggelaufen bin und nachgetreten habe. In den Monaten mit IHM jetzt allerdings, habe ich schon versucht, Konflikte auszutragen. War zäh, aber allein die Tatsache, dass er dann doch zumindest telefonisch auf meine Beschwerden eingegangen ist, auch wenn er nur seinen Standpunkt wieder und wieder runtergebetet hat, zeigt mir, dass ich schon auf einem ganz guten Weg war. Er hat sich schon bemüßigt gefühlt, sich zu verteidigen. Hab wohl den Punkt getroffen. Das waren allerdings auch nur die Punkte, wo es um sein Verhalten mir gegenüber ging. Sein Leben, sein Chaos, das alles habe ich ja versucht zu akzeptieren. Versucht, ihn mit all seinen Fehlern zu lieben. Habe gesehen, dass er wahnsinnig empfindlich ist und dann sofort in die Verteidigung geht, mich angreift, den Spieß umdreht. Und anstatt zu sagen, dass das eine Eigenschaft ist, die mich tierisch nervt und mit der ich nicht umgehen müssen möchte, habe ich wieder versucht, sein Problem zu lösen, in dem ich es zu meinem mache. Dabei hieße die Konsequenz, ihn zu konfrontieren und letztendlich auch zu dem Schluss zu kommen, dass es eine Grenze gibt, dass man den anderen zwar akzeptieren muss, bis zu einem gewissen Punkt. Dass aber zu viele dieser Punkte einfach auch bedeuten, dass es halt nicht geht. Nicht für mich. Mag sein, dass eine andere damit klar kommt. Ich nicht, das ist zu sehr mein Vater, als dass ich das haben möchte.

Auch wenn ich jemand noch so sehr liebe, auch wenn der Sex fast unersetzlich geil war und es mir brutal fehlt, mit ihm einfach mein Hirn auszuklinken und mal ein paar Stunden nicht zu denken, auch wenn das bis jetzt keiner geschafft hat, mich so runterzubringen und zu entspannen, er kann mir außerhalb des Bettes nicht das geben, was ich brauche. Und da sind wir wieder beim Anfang. ICH muss den Kerl toll finden. Und offensichtlich habe ich ja doch etwas mehr zu bieten als den Sex. Könnte sogar sein, dass ich inzwischen echt beziehungsfähig bin, auch wenn ich noch an meiner Konfliktfähigkeit arbeiten muss. Dabei helfen mir Diskussionen in sozialen Netzwerken enorm. Ich vertrete meine Meinung, auch wenn ich jedes Mal fast eine Panikattacke bekomme, wenn jemand mich angreift oder so deutlich widerspricht, dass ich schon fast wieder meine Ansicht umzuwerfen bereit bin - ich halte es aus und ernte Anerkennung dafür. Eine ganz neue Erfahrung. Zuhause die Meinung sagen heißt meistens, dass ich zwar Recht habe, dass das aber nicht positiv als Zeichen meiner Intelligenz gewertet, sondern als Angriff auf das Familienoberhaupt gesehen wird. Und Papa dann beleidigt ist und schlechte Stimmung herrscht.

Hausaufgabe heißt also, bevor ich mich klein mache, weil ER so toll ist, schaue ich erst, ob der Mann tatsächlich meine Aufmerksamkeit verdient. Und für den Sex bin ich wieder in den Joyclub. Mal sehen, ob da ein aufregendes Exemplar Mann versteckt ist.......

Dienstag, 12. Juni 2012

Wolken machen glücklich

Darf ich mal sagen, dass es mir grade ziemlich gut geht? Ich musste an die Situation im letzten Jahr um die Zeit denken. Den ganzen Streß mit meiner Chefin, der sich extrem zugespitzt hatte und schliesslich in einer sehr unangenehmen Situation fast mehr Kraft und Rückgrat von mir erfordert hat, als ich nach Jahren des zermürbenden Psychoterrors noch hatte, dann mein Kampf um IHN, uns. Mein Hadern mit mir selbst und die Angst davor, wirklich zusammenzubrechen, durchzudrehen, aufzugeben.

Und heute? ER ist in meinem Leben. Dafür SIE raus! Ich habe meine Chefin psychisch schon abgehakt, bald auch physisch, nie wieder wird die mir was zu sagen haben. Dafür darf ich in einer anderen Abteilung einfach in Ruhe meinen Job machen und die Anerkennung und Sympathien meiner KollegInnen geniessen. Ich gehe gestärkt und mit vielen neuen Erkenntnissen über mich selbst aus einer krankmachenden Situation in ein viel entspannteres Arbeitsumfeld. Was mir die Chance gibt, mich wieder auf MEIN Leben zu konzentrieren und mir keine Gedanken mehr über die kranke Frau zu machen, die mich durch die Hölle hat gehen lassen. Sie verliert. Ihren Chefinnenstatus, ihr Ansehen, ihre Nerven. Immer mehr. Sie fällt langsam in sich zusammen und versteht überhaupt nicht, warum ihr das alles aus den Fingern gleitet. Wo sie doch so verzweifelt um sich beissend permanent versucht, alles und jeden zu manipulieren und dadurch zu kontrollieren. Was ihr schon bei ihrer Familie nicht gelingt. Und sie kapiert es nicht, dass es an ihr liegt. Wo sie ihre Fehler macht. Nicht, dass nicht ganz viele Menschen versucht hätten, es ihr zu sagen! Sie hatte Hilfe, gute Hilfe. Selbst ich habe ihr ab und zu in einer ruhigen Minute gesagt, was sie sich da antut. Aber wer nicht hören will...

Aus meinen Fehlern entsteht langsam aber sicher etwas richtig Gutes. Und das habe ich auch dank dieses Blogs geschafft, der ja eine Art Tagebuch ist und eine enorm therapeutische Wirkung hat. Ich habe immer schon Tagebuch geführt, aber es nur für mich einfach wild und unreflektiert aufzuschreiben ist noch mal anders, als es in eine auch für Fremde verständliche und nachvollziehbare Sprache zu fassen. Mir ist schwer zu helfen, das ist mir klar. Denn wie gestern schon erwähnt (...), ist Vertrauen ein schwieriges Thema für mich. Ich vertraue niemandem, noch nicht mal mir selbst. Hilfe zuzulassen habe ich zum Glück dank Facebook, Büchern und einigen Freunden gelernt. Mich als Teil einer Gruppe zu sehen und Menschen wirklich an mich ranzulassen, das übe ich jetzt. Die Erkenntnis, dass das nicht mit vielen Menschen geht und dass es nicht so einfach ist, die Richtigen zu finden, hat meine Verzweiflung über mein Unvermögen gemildert. Ich habe mich auf Etliche mit Verve gestürzt, um dann aber relativ schnell wieder in meinem Schneckenhaus zu verschwinden. Wenn zuviel zurückkommt und ich dann echt gefordert bin, dann mach ich immer noch dicht. Ich brauche Leute, die genauso unabhängig sind wie ich, die Einzelgänger, Aussenseiter, Freaks und Wahnsinnigen dieser Welt, die genau wie ich immer gerne auf Unverständnis und Ablehnung stoßen, aber trotzdem einfach weitermachen.

Die gibt es zum Glück. Und bei denen fühle ich mich aufgehoben. Dann muss ich mich auch nicht immer infrage stellen und kann mich entspannen. Und auf das Glück vertrauen. Dass es bei mir bleibt. Und mein Glück ist auch mein Ex. Der dafür sorgt, dass ich immer eine kleine Wolke habe, auf die ich verschwinden kann, wenn ich möchte. Zu wissen, dass er an mich denkt und mich liebt, auch wenn es eine Liebe ist, die nichts mit Beziehung zu tun hat, das gibt mir Kraft. Viel von dem, was ich gelernt habe, habe ich mir bei ihm abgeschaut. Zu vielem hat er mich gezwungen, viel habe ich nur wegen ihm überhaupt gemacht. Nie hätte ich mir professionelle Hilfe gesucht, wäre es mir nicht so wichtig gewesen, mit ihm kommunizieren zu können. Ihm immer wieder durch meine Aktionen weh zu tun war mir so arg, dass ich endlich Hilfe in Anspruch genommen habe. Dass ich nicht nur ihn sondern auch mich verletzt habe, hat mir dann mein Coach erklärt. Wie verletzt ich bin, brach dann beim Anblick des Fotos meines Exverlobten raus. Unfassbar, was sich da alles noch in meinem Herzen verborgen hatte! Wieviel unverarbeitete Gefühle!

Ich bin noch nicht durch. Es gibt noch ein paar Baustellen, aber die bearbeite ich nur noch für mich. Nicht für Chefinnen, Exfreunde oder Eltern. Nur für mich.

Weil ICH es mir wert bin!